Verkehrsmedizin Thurgau         
 Verkehrsmedizinisches Zentrum - Ihr Spezialist für verkehrsmedizinische Abklärungen

2025-08-19

Erfolgreich durch die ärztlich begleitete Kontrollfahrt zur Überprüfung der Fahreignung: Praxisnahe Tipps der Verkehrsmedizin Thurgau

1. Einleitung

Manche Wege im Leben verlangen einen Moment der Bestätigung – die ärztlich begleitete Kontrollfahrt zur Überprüfung der Fahreignung gehört dazu. Sie schafft Klarheit darüber, wie sicher und souverän Sie heute im Strassenverkehr unterwegs sind, und verbindet fahrpraktische Beobachtungen mit einer fachärztlichen Einschätzung. 

Eine ärztlich begleitete Kontrollfahrt zur Überprüfung der Fahreignung dient der objektiven Beurteilung Ihrer aktuellen Fahrkompetenz unter realen Bedingungen und der Einordnung allfälliger medizinischer Fragestellungen im Kontext des Fahrens. Ziel ist die sichere Teilnahme am Strassenverkehr und nicht, Sie zu verunsichern. 

Der Ablauf ist transparent: Gefahren wird im normalen Verkehr mit ihrem eigenen PW auf einer angemessenen Route, es gibt keine “Trickfragen”. Bewertet werden Übersicht, Regelkonformität, vorausschauendes Handeln und sicheres Entscheiden.

Am Ende erhalten Sie eine fachlich fundierte Rückmeldung. Unser Anliegen ist es, Sie strukturiert vorzubereiten, Stress zu reduzieren und die Voraussetzungen zu schaffen, damit Ihre gewohnte Fahrpraxis fair und verlässlich abgebildet wird.

2. Vor dem Termin: Vorbereitung, die Sicherheit schafft

Planen Sie genügend Zeit ein, damit Sie ohne Eile ankommen. Nehmen Sie verordnete Medikamente wie gewohnt ein und bringen Sie Ihre Sehhilfe mit. Prüfen Sie das Fahrzeug kurz: Sitz- und Spiegeleinstellung, funktionierende Beleuchtung, saubere Scheiben. 

Direkt vor dem Start hilft ein kurzer Atemfokus (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus, 5 Wiederholungen), um Nervosität abzubauen und die Aufmerksamkeit zu bündeln.

3. Während der Fahrt: vorausschauend, defensiv, regelkonform

Fahren Sie so, wie Sie es geübt haben: 

- vorausschauend, 
- defensiv,
- mit dem Tempo der Situation angepasst, 
- nutzen Sie die Blickführung aktiv, 
- schauen Sie weit nach vorne, 
- kontrollieren Sie regelmässig die Spiegel,
- führen Sie vor Spurwechseln oder Abbiegen konsequent den Schulterblick durch,
- halten Sie genügend Abstand, 
- blinken Sie rechtzeitig und 
- treffen Sie Entscheidungen ruhig und klar – Hektik führt oft zu vermeidbaren Fehlern.

4. Kommunikation: Anweisungen sicher umsetzen

Wenn Sie eine Anweisung akustisch nicht eindeutig verstanden haben, fragen Sie kurz und höflich nach. Das ist erlaubt, zeigt Verantwortungsbewusstsein und verhindert Missverständnisse. 

Reduzieren Sie Störquellen, bevor es losgeht: Lüftung reduzieren und Radio am besten ausstellen, Sehhilfe und (falls vorhanden) Hörgerät korrekt einstellen. 

Hören Sie aktiv zu und bestätigen Sie Anweisungen bei Bedarf in einem kurzen Satz, damit Sie und die begleitende Person dieselbe Vorstellung haben, zum Beispiel: “Nach der Ampel rechts?” oder “Im Kreisel die zweite Ausfahrt, richtig?” Nutzen Sie einfache Rückfragen nach Zeit/Distanz, wenn die Orientierung unklar ist: “Gleich hier rechts oder an der nächsten Einmündung?” oder “In wie vielen Metern soll ich abbiegen?” 

Bei Dialekt oder schneller Sprache dürfen Sie um Wiederholung oder eine langsamere, deutlichere Formulierung bitten. 

Halten Sie den Blick auf der Strasse; Blickkontakt oder Gestik nur im Stand oder wenn es die Situation zulässt. Smalltalk während der Fahrt ist nicht erforderlich, die Konzentration gilt der Verkehrssituation.

Insgesamt gilt: kurze, präzise Rückfragen, ruhiges Tempo und regelkonformes Handeln resultieren in sauberer Umsetzung und vermitteln der begleitenden Fachpersonen, dass Sie sicher, umsichtig und kooperativ fahren.

5. Umgang mit Nervosität: Ordnung in der Situation schaffen

Erlauben Sie sich kurze mentale Pausen, wenn die Verkehrslage es zulässt: anhalten (z. B. an einer roten Ampel), durchatmen, geordnet weiterfahren. Erinnern Sie sich daran, dass die Kontrollfahrt zur Überprüfung der Fahreignung Ihren gewohnten, überschaubaren Fahralltag abbildet, darin sind Sie erfahren.

6. Typische Bewertungssituationen: worauf besonders geachtet wird

Achten Sie auf konsequente Regelumsetzung in Standardsituationen

- korrekter Vortritt an Knoten, 
- angepasste Geschwindigkeit, 
- Tempo-30-Zonen unbedingt beachten, 
- vollständiges Anhalten an Stop-Signalen, 
- Spurdisziplin im Kreisel, 
- vorausschauendes Einordnen vor Abbiege- und 
- Einfahrmanövern sowie umsichtiges Parkieren mit kontrollierter Geschwindigkeit.

Behalten Sie den Gesamtverkehr im Blick, priorisieren Sie Gefahren früh (Kinder, Velos, Fussgänger, querende Fahrzeuge) und planen Sie Handlungen in klaren Schritten.

7. Auffrischung vorab: Training zahlt sich aus

Wenn seit Ihrer letzten regelmässigen Fahrt längere Pausen liegen oder Unsicherheit besteht, ist ein kurzes, professionell begleitetes Auffrischungstraining sinnvoll. Es stabilisiert Routinen, schärft die Blicktechnik und hilft, aktuelle Verkehrsregeln und Beschilderungen sicher umzusetzen. 

Empfehlenswert ist ein kompaktes Format von 1–3 Einheiten mit einer Fahrlehrperson (idealerweise mit Erfahrung in Kontrollfahrten und verkehrsmedizinischen Fragestellungen). 

Der Ablauf umfasst typischerweise eine kurze Standortbestimmung (Erfahrungsstand, medizinische Besonderheiten, Ziele), eine praxisnahe Fahrt im gemischten Verkehr (Stadt, Land, Autobahn) und eine strukturierte Nachbesprechung mit konkreten Handlungsempfehlungen. 

Planen Sie das Training rechtzeitig vor der Kontrollfahrt zur Überprüfung der Fahreignung, lassen Sie jedoch 2–5 Tage Abstand für gezieltes Üben im Alltag.

8. Fazit aus Sicht der Verkehrsmedizin Thurgau - verkehrsmedizinisches Zentrum

Aus unserer Erfahrung verläuft eine ärztlich begleitete Kontrollfahrt dann erfolgreich, wenn drei Elemente zusammentreffen: 

- sorgfältige Vorbereitung, 
- ruhige Kommunikation und 
- konsequent regelkonformes, vorausschauendes Fahren. 

Wer rechtzeitig anreist, Medikamente wie verordnet einnimmt, Sehhilfen mitführt und das Fahrzeug vorab korrekt einstellt, startet merklich gelassener. 

Während der Fahrt überzeugen jene Kandidatinnen und Kandidaten, die ihre Blickführung aktiv nutzen, Abstand und Tempo der Situation anpassen, Anweisungen bei Unsicherheit kurz verifizieren und Hektik vermeiden. 

Insgesamt gilt: Sicherheit, Übersicht und klare Entscheidungen wiegen stärker als Tempo. Mit strukturierter Vorbereitung, sachlicher Kommunikation und einem defensiven Fahrstil bildet die Kontrollfahrt zur Überprüfung der Fahreignung Ihre gewohnte Fahrpraxis fair ab und führt in der Mehrzahl der Fälle zu einer stabilen, gut nachvollziehbaren Beurteilung.

Quellen

Website/wissenschaftliche Studien

https://www.bast.de/DE/Publikationen/Foko/2019-2018/2018-17.html

https://www.l-drive.ch/de/fahren-im-alter

https://www.verkehrsmedizin.org/Blog/index.php/;focus=HSTPTP_com_cm4all_wdn_Flatpress_9459456&path=?x=entry:entry240613-151236#C_HSTPTP_com_cm4all_wdn_Flatpress_9459456__-anchor

https://www.bfu.ch/de/services/rechtsfragen/kontrollfahrt

YouTube

https://www.youtube.com/watch?v=0-0PGcf7N-Y

https://www.youtube.com/watch?v=FllkZ5VOt4U

Zwei schöne Videos auf YouTube, die sich mit der Mobilität im Alter und der Fahrfähigkeit beschäftigen. Ersterer wurde von der Unfallforschung der Versicherer hochgeladen. Der zweite Beitrag war auf dem Fernsehkanal ARTE zu sehen.

Roediger - 11:13:19 @ Fahrtauglichkeit und altersbezogene Veränderungen


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